Freizeit
Raus aus dem Haus und rein ins Vergnügen

Annette Hüttmann begleitet Unternehmungslustige zu Veranstaltungen aller Art


 
 

Hier plaudert Frau Hüttmann mit Dorothea Weber.
Foto: Michael Matejka

 

Großer Wunsch nach Abwechslung

Vor drei Jahren hatte Krankenschwester Hüttmann erstmals bemerkt, wie groß der Wunsch nach Abwechslung bei vielen älteren Menschen ist. Damals stieß sie in den Erlanger Nachrichten auf ein Inserat, in dem eine Gesellschafterin für eine ältere Dame gesucht wurde. Deren besorgte, aber viel beschäftigte Kinder wollten ihrer Mutter wieder Gelegenheiten bieten, Vorträge zu hören, Veranstaltungen zu besuchen und darüber mit jemandem zu plaudern. Annette Hüttmann meldete sich – und entdeckte ihre Begabung für den Umgang mit älteren Menschen. »Ich finde«, sagt sie, »dass das Alter eine interessante Phase ist. Die Menschen haben so viel erlebt und so viel zu sagen. Ihre Lebensqualität sollte nicht dadurch beeinträchtigt werden, weil ihre Beine streiken.«

Bevor sie ihren Begleitservice eröffnete, erwarb sie zunächst die Taxi- und Mietwagenlizenz, die ihr die Beförderung von Personen erlaubt. Die manchmal hochbetagten Damen, die sich einen schönen Ausflug oder eine kulturelle Veranstaltung gönnen, fühlen sich bei ihr in kompetenter Obhut. Vielleicht ist es der spürbare Respekt, den Annette Hüttmann ihren älteren Kundinnen entgegenbringt: »Der Geist ist ja noch da, auch wenn der Körper nicht mehr so richtig mitspielt«, sagt sie. Sie möchte ihren Gästen nicht nur zuverlässige Chauffeurin, sondern auch anregende Gesprächspartnerin sein.

Wie beweglich der Geist ihrer zahlreichen Gäste in der Tat ist, merkt sie bei allen Gelegenheiten. Ob Museums-, Kino- oder Konzertbesuch, eine Fahrt in die Umgebung oder die Besichtigung einer nahe gelegenen Stadt – alles stößt auf lebendiges Interesse. »Sie kennen sich aus und sind neugierig geblieben«, erlebt Hüttmann immer wieder. Deshalb ist es ihr wichtig, das eigene Wissen um das Alter und seine Besonderheiten ständig zu erweitern. So erwarb sie eine Zusatzausbildung (für Ehrenamtliche) als »Beraterin in Altersfragen und Gesundheitsberaterin für Senioren« und ließ sich als Sima (Selbständig im Alter)-Trainerin schulen. Der Erwerb eines Kulturführerscheins steht an. Mit einer so fundierten Grundlage will sie ihre Dienste weiter ausbauen und ihre Beratung zum Thema Wohnen, Ernährung oder Gesundheit optimieren. Hin und wieder wird auch ihr Angebot zur Einkaufshilfe genutzt.


Die Seniorenbegleiterin steht der Damenrunde einen ganzen Abend lang zur Verfügung.
Foto: Michael Matejka

»Man muss schon selbst was tun«

Anruf genügt – Annette Hüttmann, die für ihren Begleitservice den 1. Preis für innovative Geschäftsideen bei der Frauenzeitschrift »Für Sie« gewann – ist pünktlich wo auch immer im Nürnberg-Fürther-Erlanger Raum zur Stelle. 20 Euro pro Stunde (plus Benzinkosten) kostet ihr Dienst, ein Betrag, den sich die Teilnehmerinnen natürlich teilen können. »So einen schönen Nachmittag oder Abend kann man auch verschenken«, sagt Marianne Stolzenberg, die das bereits getan hat. Und sie denkt schon wieder an neue Ziele: Dürer-Haus oder Tucher-Schloss stehen als Nächstes auf der Agenda. »Man kann ja nicht zu Hause sitzen und warten, dass die Welt zu einem kommt«, sagt sie bestimmt. »Da muss man schon selbst etwas tun.«
 
 
sechs+sechzig
Magazin für selbstbewusste ältere Menschen


Texte von Brigitte Lemberger
Ausgabe 01/2006
Artikel: Raus aus dem Haus und rein in das Vergnügen